Fridays for future

Fridays for Future

Ein Blogbeitrag von Golfstrom

Beinahe ein Jahr ist seit dem Beginn der “Fridays for Future”-Proteste in Deutschland vergangen. Seit einem Jahr demonstrieren Freitag für Freitag vor allem Schüler*innen bunt und friedlich für eine klimagerechte Zukunft und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Immer mehr Jüngere und Ältere schließen sich ihnen an und unterstützen ihre Anliegen mit Initiativen wie “Parents for Future”, “Workers for Future” und “Scientists for Future”. Der Sozialpsychologe Harald Welzer kommt deshalb zum Schluss, wir hätten es mit einer neuen politischen Generation zu tun.

Eine erfolgreiche Bewegung, die so explizit Kritik an vorherrschenden Überzeugungen und Wirtschaftsformen unserer Gesellschaft übt, provoziert natürlich Widerstand. Mitunter werden den Jugendlichen absurde Einwände entgegengeschleudert. Sie mögen doch gefälligst erst einmal ihren persönlichen Lebenswandel klimagerecht gestalten, auf’s Handy und die Verwendung aller Verkehrsmittel verzichten, die auch nur ein Gramm CO2 ausstoßen, oder doch lieber in ihrer Freizeit Bäume pflanzen. Die deutsche Facebook-Kommentatorenschaft widmete sich kürzlich geradezu obsessiv der Umweltbilanz von Greta Thunbergs Segeltrip in die USA zur Teilnahme an einem Klimagipfel. In den Medien hört man einen ähnlichen Tenor. Im Handelsblatt fragt Kolumnistin Nena Schink: “Wäre es nicht sinnvoller, Schulstunden zu nutzen, um öffentliche Plätze von Müll zu befreien?” Und Ulrike Ruppel von der B.Z. geht das Klimathema und der “Absolutheitsanspruch” von “Fridays for Future” einfach nur noch auf die Nerven. “Überhaupt: das Klima. Gibt es kein anderes Thema mehr? Die Allgegenwart grenzt an Gehirnwäsche. Kein Tag vergeht, ohne dass ein Zwang, ein Verbot oder eine Steuer ersonnen wird, mit der unser kleines Land eine Welt retten soll, die gleichzeitig Hunderte neuer Kohlekraftwerke baut. Aber egal, die Deutschen können nicht anders …”

Dabei machen “Fridays for Future” eigentlich alles richtig. Sie haben nämlich erkannt, dass das Gerede von “individueller Verantwortung” im Kampf gegen den Klimawandel – d.h. jeder bemüht sich, den Müll richtig zu trennen, Plastiktüten zu meiden oder mit wiederverwendbaren Stiften zu schreiben – in krassestem Gegensatz zu den Dimensionen der Klimakrise steht.

Der Journalist Nathaniel Rich hat in seinem Buch “Losing Earth” eindrucksvoll dargestellt, wie die Weltgemeinschaft Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger kurz davor stand, entschieden den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Kurz vor der Einigung wurde diese jedoch von u.a. von fossilen Lobbygruppen unterminiert. Seither hat die Menschheit nochmal so viel CO2 in die Atmosphäre gepustet wie seit Beginn der Industrialisierung davor. Und für 71 Prozent dieser Menge sind nur 100 Firmen weltweit verantwortlich. Diese Großakteuren verhindern virtuos weltweit politische Lösungen der Krise, die ihre eigenen Profite notwendigerweise schmälern würden.
Allerdings hat sich die Nutzung fossiler Brennstoffe so tief in unser Zivilisationsmodell eingebrannt, dass nur weitreichende und systemische Eingriffe diesen Trend umkehren und den Kollaps unserer natürlichen Lebensgrundlagen verhindern können. Wenn wir glauben, unseren eigenen Handlungsrahmen mit dem Trennen verschiedener Plastikmüllarten vollkomen ausgeschöpft zu haben, schätzen wir die Lage falsch ein. Das nützt schlussendlich vor allem denjenigen, die effektive Klimapolitik mit allen Mitteln verhindern wollen. “Fridays for Future” haben das erkannt. Sie organisieren sich als Kollektiv, sind laut, frech, bunt und unbequem – und im besten, nämlich Gestaltung der Zukunft einfordernden Sinne, politisch. Wenn das eigene Haus brennt und man die Feuerwehr ruft, wird diese einen nicht dazu auffordern, doch erst einmal zu versuchen, den Brand selbst zu löschen. Genau so hören sich aber die oben genannten Kritikpunkte an der Bewegung an.

 

Und die Trittbrettfahrer der Klimakrise selbst wissen virtuos der Politik ihre individuellen Interessen auf Kosten der Allgemeinheit aufzuzwingen. Die USA sind eine besonders reichhaltige Quelle von Beispielen. Allein dieses Jahr ist es fossilen Unternehmen gelungen, in verschiedenen Bundesstaaten Gesetze durchzubringen, die den Protest gegen neue Öl- und Gaspipelines kriminalisieren und mit bis zu 10 Jahren Haft bestrafen. Es wurden in mehreren Staaten Gesetze gegen potenzielle Verbote von Einwegplastik erlassen, die Profite von Erdölunternehmen reduzieren würden. In Ohio wurde erfolgreich ein Bailout- und Subventionsprogramm für alternde Kohle- und Atomkraftwerke bei gleichzeitiger Abschaffung von Ausbauzielen für erneuerbare Energien durchgebracht. Und nichttierische Produkte dürfen zum Schutz traditioneller Agrarkonzerne nicht mehr als Fleischersatz deklariert werden.

Auch in Deutschland finden sich ähnliche Beispiele. So lieferte die taz Hinweise, dass das Bau- und das Innenministerium Nordrhein-Westfalens Gründe für die Räumung des Hambacher Walds im September 2018 konstruiert haben könnte, nachdem RWE die Räumung beantragt hatte, um diese per Weisung erzwingen zu können.

Warum sollten also einerseits Unternehmen und Lobbygruppen gehört werden, die Zivilgesellschaft selbst andererseits jedoch nicht das Recht haben, politische Lösungen eines uns alle bedrohenden Problems zu verlangen? Eine absurde Frage, insbesondere wenn man beachtet, dass der Protest beginnt zu wirken. Mohammed Barkindo, Generalsekretär des mächtigen OPEC-Kartells von Erdölförderstaaten, sagte erst kürzlich in Wien, dass es eine wachsende weltweite Mobilisierung der öffentlichen Meinung gegen Öl gebe und dass die Klimaproteste der Jugendlichen die vielleicht größte Bedrohung der Zukunft seiner Industrie darstelle. Diese drohten, Proteste Policy- und Investitionsentscheidungen zu bestimmen. Weiterhin würden sie die Gesellschaft dahingehend “in die Irre führen”, dass die Verbrennung von Erdöl Grund des Klimawandels sei…

„Fridays for Future hat erkannt, dass das Gerede von “individueller Verantwortung” im Kampf gegen den Klimawandel in krassestem Gegensatz zu den Dimensionen der Klimakrise steht.“

Auch wir bei Golfstrom glauben, dass wir auf allen Ebenen gemeinschaftlich handeln müssen, um der Klimakrise Einhalt zu gebieten. Individuelle Selbstkasteiung wird wirkungslos bleiben. Unser erklärtes Ziel ist deshalb, eine Plattform für die Energiewende zu schaffen, die Menschen mit verschiedenen Ausgangsvoraussetzungen und verschiedenen Möglichkeiten zusammenbringt. Wir wollen gemeinsam mit unserer Community handeln und mit vielen anderen Akteuren mit ähnlicher Zielsetzung das Energiesystem dauerhaft besser, zukunfts- und klimagerechter machen.

Unsere neue Webpräsenz ist fertig!

Du kannst dich hier gerne noch informieren, für aktuelle Angebote und Vertragsabschlüsse geh bitte auf www.golfstrom.org

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